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1994 war es soweit. Sehr schlecht habe ich mich gefühlt damals.
Ich hatte grosse Angst am Anfang als ich hörte, dass es Krebs sein sollte.
Mein HNO-Arzt, zu dem ich wegen der Beschwerden hingegangen war, sagte mir, dass mit meinem Kehlkopf etwas nicht in Ordnung sei. Eine Veränderung, welche in der Klinik abgeklärt werden müsse. Schon am nächsten Tag wurde ich in der Spezialklinik von mehreren Ärzten
untersucht .
Je mehr Ärzte in meinen Hals reinguckten, um so mehr spürte ich, dass mit meinem Hals etwas nicht in Ordnung sein konnte.
Dann kam die entscheidende Probe, die das Ergebnis brachte. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass es nicht bösartig sein möge. Als mir das Ergebnis mitgeteilt wurde, brach für mich alles zusammen.
Die Ärzte im Krankenhaus haben dann die Entfernung des Kehlkopfes empfohlen. Sie waren sehr freundlich und haben sich Zeit genommen. Doch als sie alle draussen waren, habe ich erst mal geweint.
Vor der Operation durfte ich für knapp eine Woche nach Hause. Ich habe mit meiner Frau gesprochen und mit meinem HNO-Arzt zu Hause. Sie haben mir alle Mut gemacht und doch war es furchtbar. Ständig war dieser Gedanke "wie soll es weitergehen" und diese schlimme Angst vor der Zukunft da.
Die Ärzte hatten mir gesagt, dass der Kehlkopf herausgenommen werden müsse. Dann hätte ich gute Chancen, weiterzuleben. Und ich wollte leben, unbedingt. Ich wollte es dann schnell hinter mich bringen. Also ging ich ins Krankenhaus, in dem ich schon alle kannte. Die Ärzte, Schwestern und die Pfleger, alle waren gut zu mir. Zu den Ärzten hatte ich grosses Vertrauen, besonders zum Operateur. Viele Gedanken auf einmal gingen durch den Kopf. Ob ich wieder gesund werde und wie es zu Haus und in der Arbeit weitergehen soll. Was Bekannte und Verwandte sagen. Tausend Gedanken.
Nach der Operation hatte ich kaum Schmerzen durch die Medikamente. Durst hatte ich, weil ich nach der Operation nichts trinken durfte. Und im Laufe der Zeit bekam ich auch Hunger, obwohl ich über Infusionen und Nährsonde ernährt wurde. Das war vielleicht besonders wichtig, ich wollte unbedingt bald wieder ganz normal essen. Dabei hatte ich Glück, die Nährsonde konnte gezogen werden, bevor zwei Wochen nach der Operation um waren.
Als ich die ärztliche Zustimmung hatte, habe ich mir mein Lieblingsgericht mitbringen lassen. War das eine Freude, als ich wieder normal schmecken konnte. Dann ging es aufwärts. Weil die Wunde gut heilte, konnte ich recht schnell nach hause. Es war schwer. Solange man im Krankenhaus ist, sind viele um einen herum. Zu Hause ist man allein oder mit seiner Familie und man fällt erst einmal runter. Dann die Angst, den Nachbarn oder andere Leute zu treffen.
Ich habe mich zu Hause verkrochen. Die Arbeit musste ich aufgeben. Es wurde dann die Rente beantragt. In meinem früheren Beruf konnte ich nicht mehr arbeiten. Kontakte zu Kollegen bestehen kaum. Am Anfang waren noch Besuche, dann nicht mehr oft. Aus meine Isolation musste ich raus. Ich musste. Ich habe gesehen, wenn ich nichts mache, sitze ich allein. Und ich wollte ja leben, wollte Gemeinsamkeit. Meine Frau ist mit mir ´rausgegangen, spazieren und auch in die Stadt.
Der Kontakt zu anderen Kehlkopflosen hat viel geholfen. Schon in der Klinik kam ein laryngektomierter Herr vom Verband zu Besuch. Er hat mir schon vor der Operation Mut gemacht, er lebt schon viele Jahre ohne Kehlkopf.
Was noch geholfen hat? Gebet. Ich bin nie sehr fromm gewesen, in der Zeit habe ich viel gebetet. Mir hat es geholfen. Vielleicht hilft einem anderen etwas anderes.
Ich kann es nur für mich sagen:
Weitermachen. Leben wollen.
Das ist das Wichtigste.
Aus der Reihe: Psychologie, herausgegeben vom Institut für Rehabilitation Laryngektomierter GmbH ( I.R.L. )
Dr.med.Astrid Marek, Angst- Aggression- Verarbeitung mit der Stimme der Seele. Seelische Probleme nach Kehlkopfentfernung.
Diese Broschüre des I.R.L. ist nicht nur jedem kehlkopfoperiertem Patienten zu empfehlen, sondern auch dessen Angehörigen, damit diese die seelischen Konflikte des Patienten nachempfinden können. |